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Rundbrief Nr. 12
Mit drei Gedichten von Robert Gernhard aus dem Buch „Klappaltar“ möchten wir Sie auf den beginnenden Herbst einstimmen. Eine besondere Qualität der kühleren, oft nebligen oder diesigen Zeit ist die stärkere Rückbesinnung – manchmal das Zurückgeworfensein – auf das Innen; so wie wir auch wieder stärker Innenräume bewohnen. Unser Leben besteht aus diesem Wechselspiel von äußeren und inneren Welten, von sich Einlassen und sich Einbringen, von Wahrnehmung und Gestaltung. Martin Buber meint hierzu in seinem Buch „Ich und Du“ sinngemäß: Das Ich bekommt seine Form erst in der Beziehung zum Du. Vor jedem Ich, das erst langsam ab dem 3. Lebensjahr formuliert und geformt wird, waren wir Teil des Ganzen, wie ein Tropfen im Meer, ohne Grenze zwischen Du und Ich, dem Innen und dem Außen. Begleitet durch laufend neu entstehende Wünsche und dementsprechende Interessenskonflikte entsteht Schritt für Schritt dieses eigenständige Ich. Und nach der Phase der Fixierung auf dieses Ich als Mittelpunkt des Universums, damit es sich festigen kann, erwächst ein Gewissen, eine soziale Intelligenz, sofern das Ich begreift, dass es in Geben und Nehmen reifen kann. So wie in der kindlichen Entwicklung weiß man inzwischen auch in der Neurobiologie, dass dieses Ich eine nachträgliche Aneignung des Bewusstseins von erlebten Empfindungen und längst getroffenen Entscheidungen ist, die durch unterschiedliche kulturelle Prägungen und Gewohnheiten bestimmt wird. Es gibt stärkere Individuationsgesellschaften und Familien und stärkere Kollektivgemeinschaften. Meine Großmutter z. B. wusste immer ganz genau, was gut für einen und für alle war, und dem durfte man nicht widersprechen. Der Interessenskonflikt zwischen inneren Bedürfnissen und äußeren Weisungen oder Ratschlägen war von vornherein entschieden. In den ersten Gedichten findet sich eine häufig wahrgenommene Qualität dieser Jahreszeit wieder: eine dunkle, düstere Stimmung. Es gibt weniger Licht, nach den alltäglichen Pflichten finden weniger Freizeitunternehmungen statt; obwohl wir gerade jetzt Begegnung und Bewegung brauchen könnten wie einen Bissen Brot. „Leben lässt sich nur durch Leben steigern“, das heißt ein bewusstes Hinwenden zum Lebendigen. In einem Workshop im Juli stellte Marshall Rosenberg seine bekannte Frage: „What is alive in you?“ Was ist in dir an Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen? Oder ist es ein unbestimmtes Mischgefühl an Unzufriedenheit? Unlängst wurde herausgefunden, dass nicht nur Kopfschmerz Stirnrunzeln verursacht, sondern auch Stirnrunzeln Kopfschmerz. Vielleicht hilft eher die systemische Sicht auf die Wechselwirkung und Bedingtheit aller Faktoren weiter, als die Suche nach kausaler Wirkung, die oft nur vermeintlichen Erfolg bringt. Schließlich wünschen wir Ihnen für die kommende Zeit ein uncooles Sensibel-Sein für die Töne der inneren Klaviatur als Resonanz der Empfindungen und Bedürfnisse, sowie gute, lebendige, wärmende Strategien, wenn die äußere Düsternis und Kälte zu nah an Sie herantritt. Ulrich P. Hagg Neuigkeiten aus unserer Institutsarbeit: Im Oktober startet hier in unserem Institut eine 2-jährige LSB-Ausbildung mit Schwerpunkt systemische Beratung. Das Interesse an dieser Ausbildung war so enorm, dass wir viele InteressentInnen auf das nächste Jahr vertrösten mussten. Und so sind bereits die Vorbereitungen für einen zweiten Lehrgang in vollem Gange, der im Oktober 2008 beginnen soll, selbstverständlich wieder mit einem hochkarätigen ReferentInnenteam. Außerdem ist es jetzt nach einem Umbau der Räumlichkeiten möglich, dass größere Gruppen oder zwei Seminare/Kurse parallel arbeiten können. Die Räume sind inzwischen gut ausgestattet, vielseitig nutzbar und vor allem auch an Wochenenden zu mieten. Wir haben im September die ISYS-Akademie als Bildungsträgergesellschaft gegründet. Außerdem ist eine Forschungsarbeit über die Akzeptanz und Erwartungen an Mediation als Konfliktregelungsverfahren ist in der Entstehungsphase und ab Jänner bei uns zu beziehen. |
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